Wie die Ahnenforschung zum Hobby wurde
Nun haben wir das Jahr 2008 und ich bin 41 Jahre alt geworden. Mein Name ist Frank Ettling, ich bin seit 12 Jahren verheiratet, habe zwei Kinder und lebe in Berlin. Meine Großmutter lebt schon 30 Jahre in Niedersachsen. Gesehen habe ich sie dadurch selten. In frühester Kindheit war ich öfter bei ihr zu Besuch, aber nachdem sie aus Berlin weggezogen war und sich meine Eltern haben scheiden lassen, ging der Kontakt für einige Jahre verloren. Erst etwa 1985 änderte sich das wieder. Ab und zu besuchten wir sie, manchmal kam sie auch für einige Tage nach Berlin um den Rest der Familie zu besuchen. Im Jahre 2005 habe ich dann bei einem unserer Familientreffen nach meinem Großvater gefragt. Ich wusste wohl, dass er im Krieg gefallen war, doch hatte mir nie jemand etwas über die Umstände erzählt. Ich erfuhr vom letzten Aufgebot zur Verteidigung Berlins und vom sinnlosen Tod meines Opas kurz vor Kriegsende. Von diesem Augenblick an habe ich dann nicht mehr locker gelassen. Ich begann mit der Familienforschung. Ständig versuchte ich bei meiner Großmutter Informationen zur Familie zu erfragen. Wegen meines großen Interesses schenkte sie mir dann eines Tages die Stammbücher und einen Schuhkarton voller alter Bilder....
Für meine Großmutter war es nur Papier, für mich war es ein Schatz. Schon bald merkte ich, dass ich den Überblick über die vielen Informationen verlor. Ich begann die Daten zu ordnen und mit dem PC zu bearbeiten. Ich erstellte Personenblätter für jede bekannte Person, die mit meiner Familie in Zusammenhang stand. Im Jahre 2007 kam dann der Supergau, die Festplatte unseres Computers hatte beschlossen ihren Dienst zu quittieren.
Zum Glück hatte ich wegen meiner “Beamtenmentalität“ sämtliche Daten in Papierform gesichert, aber die Frustration war dennoch enorm. Alles noch mal von vorne eingeben, stöhn.....
Also, wir kauften einen neuen PC und ich gab dann, zum Leidwesen meiner Frau, in kürzester Zeit alle bis dahin vorhandenen Daten neu ein. Mit der Zeit kamen dann natürlich noch weitere Informationen dazu. Meine Neugier führte mich zunächst nach Eisenach. Mit Dokumenten des dortigen Archivs und der Hilfe von Jochen Oettling konnte ich dann eine Verbindung zum Ort Richelsdorf (heute Ortsteil von Wildeck) herstellen. Da Richelsdorf zwar nur ein paar Kilometer von Eisenach entfernt liegt, aber geografisch schon zu Hessen gehört, führte mich mein nächster Weg ins weit entfernte Kirchenarchiv nach Kassel. Zum Glück hat inzwischen auch meine Frau an diesen Städtetouren gefallen gefunden. Während ich in den Archiven Mikrofiche oder Mikrofilme betrachte geht meine Frau Helga auf Erkundungstour, natürlich bleibt dabei aber auch immer Zeit für gemeinsame Ausflüge und Besichtigungen.
An dieser Stelle möchte ich mich gerne bei den Mitarbeitern des Landeskirchenarchivs der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen - Eisenach sowie des Landeskirchlichen Archivs der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck bedanken, die mir mit Ausdauer und Geduld bei meinen Nachforschungen behilflich waren.
